f Data goes Scenographic – Kölner Design Preis

Data goes Scenographic

try e.m.i.s now ist eine immersive VR-Theatererfahrung und Performance, die neue Formen der Einbettung digitaler Technologien und Datenkunst in theatralen Prozessen erforscht und vorantreibt und Zuschauer zum Protagonisten werden lässt. Er taucht ein in die phygitale (physisch-digitale) Welt seiner Datenverarbeitung. Zentrale Themen des Transhumanismus werden durch einen Mind-Upload der Besucher*innen im Rahmen des Unternehmens e.m.i.s., kurz für eternal mind in space, in Frage gestellt. Dabei werden dem Entgegenwirken natürlich gegebener Grenzen sowie digitalen Identitäten thematisiert und kritisch reflektiert.

Besitzt die Kopie meines Bewusstseins ihre eigene Identität? Wie findet sie sich in der Zukunft zurecht, wann wird sie ausgeschaltet?

Das Produkt des Unternehmens “e.m.i.s.”, verspricht eine digitale Kopie des Bewusstseins eines jeden Individuums. Damit kann z.B. eine virtuelle persönliche Assistenz eines jeden generiert werden, die für Repräsentations- und Dienstleistungen genutzt wird. Nach dem Ableben besteht sie weiterhin und kann mit Angehörigen und Freund*innen in Kontakt treten.

Persönliche Daten der jeweiligen Besucher*innen werden im Vorfeld über ein online Formular erfasst und in die Gestaltung des szenografischen und damit personalisierten Raums eingewebt. Das Formular ermöglicht nach Einwilligung den Eintritt in die virtuelle Realität. Dazu werden Ergebnisse von Google-Bilder- und Textsuchen oder Social Media Daten in die VR-Welt einbezogen und konfrontieren als Gestaltungselemente das individuelle Bewusstsein. Eine KI sowie eine Assistenz führen durch das Theaterstück. Die Besucher*innen erfahren ihren Upload mit personalisierten VR-Brillen in einer Liege-/Sitzposition. Der Upload geschieht in 6 Phasen, zusammen mit einer Voice-Over Narrative führt eine Kamerafahrt in der VR-Welt durch die verschiedenen Räume bzw. Szenen. Fiktive Elemente und reale Artefakte in Form der individuellen Informationen werden auf traumhafte und surreale Weise miteinander verwoben. Bekannte und unbekannte Räume entstehen gleichzeitig, ein Wechselspiel von Bestimmen und Sich-Bestimmen-Lassen. Nach intensiver Forschungsarbeit von digitalen und physischen Theaterräumen konnte die erste Aufführung der Virtual Reality Theatererfahrung „try e.m.i.s. now“ an drei Auführungsterminen bereits im Juli 2021–erfolgreich stattfinden.

 

Das Projekt entstand in Kooperation zusammen mit Lisa Reutelsterz (KHM)